7.7.2008
Hamburger Morgenpost (02/07/08)
Felix

Er schreit den "Mugiboogie"
Ein Freitag vor Ostern im 4000-Seelen-Fischerdorf Isafjördur inmitten
der isländischen West-Fjorde. Trotz Temperaturen unter dem
Gefrierpunkt, wie sie die Nähe zum Polarkreis mit sich bringt, füllt
sich die zwischen Hafenwasser und schneebedecktem Felsenriesen gelegene
Fischhalle rasch. Ein Mal im Jahr fallen Hunderte Musikbegeisterte aus
ganz Island über die Gemeinde her, um beim "Aldrei fór ég
sudur"-Festival (zu deutsch: "Ich ging nie nach Süden") den
abgefahrensten Talenten der Insel zu lauschen.
Haudegen wie Schlagzeuger Siggi Baldursson von Björks Sugarcubes
spielen hier neben nackt auftretenden Newcomern wie der Ultra Mega
Technoband Stefàn - immer getreu dem Motto: einstöpseln und loslegen!
Sänger Óttarr von der Reykjavíker Metall-Band Dr. Spock singt ein
Fischerlied im Duett mit dem lokalen Alt-Herrenchor Karlakórinn.
Verantwortlich für das kuriose Gratis-Event ist Blues-Barde Örn Elías
Gudmunsson alias Mugison. Als Dank dafür, dass er ein Zeichen gegen den
Abwanderungstrend der Menschen in die Hauptstadt Reykjavík setzt, wurde
er zum Mann des Jahres gewählt. Vom Kind bis zum Dorfgreisen haben alle
mitgeholfen, die schwarze Umhüllung um seine CD "Mugiboogie" zu falten
- 20000 Mal!
Das Booklet des bestverkauften isländischen Albums 2007 wurde aus
recyceltem Bibelpapier gefertigt. Ansonsten geht es in dem Werk nur
selten biblisch zu: Mit "Jesus Is A Good Name To Moan" hat der
30-Jährige die weibliche Masturbation vertont. "Mich inspirierte die
Tatsache, dass Frauen beim Orgasmus nach ¸Jesus` schreien", meint er
verschmitzt.
Er selbst schreit auch gern mal in seiner von den Pixies, Tom Waits und
Queens Of The Stone Age beeinflussten Musik: "Lautstärke ist eine
Möglichkeit der Isländer, ihrem Aufmerksamkeitsdefizit zu entkommen." In Island rockt man nackt: U.M.T. Stefàn.
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