22.8.2008
Triggerfish Review
Felix

Ist das Rindsleder ? Wohl doch eher irgendein Plastikplagiat, was hier als Einband für die CD „Mugiboogie“ herhalten muss – aber immerhin gibt´s nur 20000 Stück davon. Die hat Örn Elías Guðmundsson in Handarbeit angefertigt. Was heisst, nicht er allein – sondern auch die restlichen knapp 200 Bewohner des Kaffs in Island, aus welchem er stammt. Nun ist Island ja für exzentrische Musiker bekannt. Die durchgeknallte Killerelfe Björk und die Eisschmelzephilharmoniker Sigur Ros haben die frostige Insel, mit den enorm teuren Getränkepreisen, ja bereits auf den Musikatlas aufploppen lassen, wie Popcorn in Kinos. Soll ja angeblich auch verboten werden, daß Popcorn in den Kinos, nicht die Musik aus Island. Wär ja noch schlimmer, dann würde uns Örn Elías Guðmundsson aka MUGISON nicht mehr mit seinem krankhaft emotionalen Lo-Fi-Bluespop begeistern können.
10000 von seinen „Mugiboogie“ CD´s hat MUGISON bereits auf Island verkauft – bei 300.000 Einwohnern eine stattliche Zahl, wobei man auch den Lauffeuereffekt eines einheimischen Künstlers nicht unterschätzen darf. Das geht schneller um die Insel als Waldbrände auf Rhodos. Aber der Örn Elías weis sich auch ohne Inselbonus zu behaupten. Das verschroben in sämtlichen jungfräulichen Röcken wildernde „Mugiboogie“ ist die perfekte Symbiose aus Danko Jones Lyrics & Tom Waits Verschrobenheit. Danko geht, Tom bleibt da. „The Pathetic Anthem“, „To the Bone“ und „Jesus is a good name to moan“ machen dem Altmeister alle Ehre, lassen Herzblut, Piano und Celli durch die Lautsprecher tropfen. Das Raunen, das Brüllen und das Leiden ist ein wahrer Genuss – fast schon mit Schadensfreude vernimmt man das Klagen des Märtyrers. Mit dem Megaphon und der Kraft von Stromgitarren ausgestattet, ist es ihm ein leichtes sein Anliegen an den Mann zu bringen. Seine Ode an „George Harrison“ verkommt zum folkigen Countryschwof mit Hippieskem Traumafinale, was aber keineswegs so schlimm ist wie das chaotische „Two thumb sucking son of boyo“. Welches mit seiner permantenen Krachbelastung zwischen Metalriffs, Hardcoreklampfen und Brüllgesang gewaltig am Nervenkostüm zehrt.
Letztendlich stört das aber genauso wenig, wie das nicht verwendete Rindsleder als Einband.„Mugiboogie“ ist ein dreckiges, aus der Gosse gezogenes, Stück von Blues. Ein echter Bastard. Gegen Ende schwankt das Album zwar bedenklich in seiner Stimmung zwischen exzentrischem Exkurs und balladeskem Einlullen, wem es zuviel wird, der kann derweil ja das Textbook im Gebetsbuch-look studieren
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